Port Narrow: Warum „Ehrlichkeit“ auf dem Etikett wichtiger ist als ein Name

Wer eine Flasche Port Narrow in den Händen hält, erkennt sofort: Hier geht es um Handwerk. Doch wer das Kleingedruckte liest, stößt auf eine Besonderheit. Obwohl das Herz unserer Kreationen aus feinstem, karibischem Destillat schlägt, suchen Kenner das Wort „Rum“ als alleinige Bezeichnung vergebens. Stattdessen liest man das schlichte, gesetzlich vorgeschriebene Wort: Spirituose.

Warum verzichten wir auf Begriffe wie „Rum“, „Zuckerrohrbasis“ oder die werbliche Nennung von „PX-Sherry“ und „Portwein“ auf der Vorderseite, obwohl genau diese edlen Zutaten den Kern unserer Marke bilden?

Die Philosophie: Süße aus der Natur, nicht aus der Fabrik

Bei Port Narrow haben wir uns einer strikten Regel verschrieben: Kein zugesetzter Industriezucker. Während viele herkömmliche Produkte durch die Zugabe von Invertzucker oder Karamellsirup künstlich geglättet werden, gehen wir den aufwendigen Weg.

Die tiefgründige Süße und die viskose Textur unserer Blends – wie beim Captain’s Choice oder dem Captain’s Blend – stammen ausschließlich aus natürlichen Quellen:

  • PX-Sherry (Pedro Ximénez): Ein hocharomatischer Likörwein, der für seine natürliche, rosinenartige Süße bekannt ist.
  • Portwein: Der unserem Captain’s Blend seine rubinrote Seele und komplexe Fruchtnoten verleiht.

Das rechtliche Dilemma: Wenn Qualität den Rahmen sprengt

Das europäische Spirituosenrecht (insbesondere die Verordnung EU 2019/787) ist sehr präzise. Sobald ein Produkt die traditionellen Pfade verlässt, um etwas Neues zu schaffen, greifen strikte Deklarationsregeln.

1. Warum nicht „Rum“ oder „auf Zuckerrohrbasis“?

Ein Destillat darf sich in der EU nur dann „Rum“ nennen, wenn es maximal 20 Gramm Zucker pro Liter enthält und nicht aromatisiert wurde. Durch die Vermählung mit hochwertigem PX-Sherry und Portwein überschreiten wir diese Grenze – jedoch nicht durch billigen Zucker, sondern durch den natürlichen Restzucker der edlen Weine.

Zudem stammen unsere Blends aus zwei Welten: Das Destillat basiert auf Zuckerrohr, doch der Sherry und der Portwein basieren auf Trauben. Die Bezeichnung „auf Zuckerrohrbasis“ wäre daher rechtlich irreführend, da sie den wertvollen Weinanteil verschweigen würde. Wir bleiben bei der Wahrheit: Es ist eine Spirituose, die das Beste aus beiden Rohstoff-Welten vereint.

2. Das Tabu der geschützten Namen: Sherry & Portwein

„Sherry“ (Jerez) und „Portwein“ (Porto) sind durch das Weltwirtschaftsrecht als geografische Ursprungsbezeichnungen geschützt. Das bedeutet: Diese Namen dürfen fast ausschließlich für den reinen Wein in der Flasche verwendet werden.

Sobald wir diese Weine nutzen, um unseren Captain’s Blend oder Captain’s Choice zu veredeln, werden sie im Sinne des Gesetzes zur „Zutat“. Die EU-Vorgaben untersagen es uns in diesem Fall, diese geschützten Namen prominent auf der Vorderseite zu führen, um eine „Rufausbeutung“ der Weinregionen zu vermeiden. Wir halten uns an diese Regeln, weil wir den Respekt vor diesen jahrhundertealten Traditionen teilen – auch wenn wir sie in unseren Blends modern interpretieren.

Unsere Sorten: Transparenz im Glas

  • Port Narrow – Captain’s Choice: Hier ist der Name Programm. Ein Blend, der durch die reine Kraft von PX-Sherry veredelt wurde. Keine künstlichen Zusätze, nur die pure Symbiose aus Destillat und Likörwein.
  • Port Narrow – Captain’s Blend: Die Königsdisziplin. Eine komplexe Rezeptur, die neben dem PX-Sherry auch echten Portwein enthält. Ein Zusammenspiel, das so vielschichtig ist, dass keine Standard-Kategorie der Welt es passend beschreiben könnte.

Fazit: Was zählt, ist der Inhalt

Wir könnten unsere Rezepturen chemisch verändern, um sie in das Korsett der Bezeichnung „Rum“ zu pressen. Doch dann wäre es kein Port Narrow mehr. Wir entscheiden uns bewusst für die Bezeichnung „Spirituose“, um die Freiheit zu haben, mit echten Naturprodukten wie Sherry und Portwein zu arbeiten.

Auf unserem Etikett steht vielleicht weniger Marketing-Text als bei anderen – aber in unserer Flasche steckt dafür umso mehr ehrliches Handwerk.